Übersetzungen

I. Eine billige Übersetzung kann auch richtig teuer werden
Als Übersetzer kann sich in Deutschland jeder bezeichnen, der irgendetwas übersetzt. Der Berufsname "Übersetzer" ist hier zu Lande nicht geschützt. Eine weit verbreitete Meinung, es reiche schon, Fremdsprachen sprechen zu können, um in oder aus diesen Sprachen zu übersetzen, ist allerdings völlig falsch. Es ist nicht getan mit dem Nachschlagen von "Vokabeln" in Wörterbüchern und hat wenig zu tun mit der sogenannten Zweisprachigkeit, weil man mit Lesen und Verstehen noch lange kein Übersetzer ist. Bei Übersetzungen gibt es mehr zu beachten, als man es meistens wahrnehmen kann. Ein Geschäftsvertrag sieht in der Wortwahl und Stil ganz anders als z.B. ein privater Brief oder Werbeunterlagen aus. Ein professioneller Übersetzer beherrscht die notwendigen Stilebenen der Arbeitssprachen genauso gut wie das notwendige Vokabular. Dieses für eine gute Übersetzung unabdingbare Wissen fehlt meistens unqualifizierten, "billigen" Laienübersetzern. Das, was am Anfang als ein gutes und günstiges Angebot klang, kann sich schnell als eine nicht verwendbare, nachbesserungsbedürftige Rohübersetzung entpuppen, die letztendlich mehr Kosten als eine direkte Vergabe an ein nicht ganz billiges, aber professionelles Übersetzungsbüro verursacht. Oft kann so eine Übersetzung nur mit einem erhöhten Aufwand nachgebessert werden. Es ist dann u. U. günstiger, den kompletten Text erneut übersetzen zu lassen. Daher ist es wichtig, darauf zu achten, dass Sie von Anfang an professionelle Übersetzer mit nachweisbaren Qualifikationen beauftragen (Hochschuldiplome, Prüfungen zum staatlich geprüften/ staatlich anerkannten Übersetzer bei den IHKs, andere Nachweise). Häufig spezialisieren sich Übersetzer auf bestimmte Bereiche und Themen, um dort die bestmöglichen Leistungen zu erbringen.

II. Was soll der Auftraggeber bei der Vergabe eines Übersetzungsauftrags beachten?

Vor der ersten Auftragsvergabe
Wenn Sie regelmäßig Übersetzungen zu vergeben beabsichtigen, empfiehlt sich folgende Vorarbeit:
Laufenden Bedarf feststellen
Sprachenpaar und Sprachenrichtung (z.B. Englisch -> Deutsch)
Textsorten (z.B. Bedienungsanleitung oder Geschäftsbericht)
Umfang in festgelegtem Zeitraum (z.B. Anzahl Seiten pro Jahr)

Koordinationsstelle im Unternehmen bestimmen,
über die alle Übersetzungen laufen und
die bei Bedarf weitere Übersetzer (für andere Sprachen oder Fachgebiete) auswählt

Sollten Sie keine solche Koordinationsstelle bei sich haben, kann Ihnen ein professionelles Übersetzungsbüro diese Arbeit abnehmen.

Auftag definieren und Vorauswahl treffen nach folgenden Kriterien:
Leistungsumfang, ggf. Zusatzleistungen (z.B. Satzerstellung)
Kalkulationsbasis (z.B. Zeilen-, Seiten- oder Stundenhonorar)
Übersetzerische Qualifikation (Hochschuldiplom, staatliche Prüfung, andere berufliche Qualifikation)
Fachliche Qualifikation für die bestimmte Übersetzung
Sprachrichtung (möglichst in die Muttersprache)
Erfahrung
Vorteile eines Übersetzungsbüros liegen in diesem Fall auf der Hand: Sie werden in vielen Punkten deutlich entlastet.

Konkreter Auftrag
Auftragsmerkmale bestimmen und dem Übersetzer übermitteln:
Textsorte: z.B. Werbetext, technisches Datenblatt, Produktinformation, Bedienungsanleitung, Maschinenbeschreibung, Vertrag, Geschäftsbericht, Software
Fachgebiet (interdisziplinär? - möglichst genau)
Sprache(n) und Übersetzungsrichtung(en)
Adressat oder Zielgruppe und Verwendungszweck
Auftrags- und Leistungsumfang
Liefertermin
Lieferform: Software, Papier, Datenträger, Layout
vorhandene Firmenterminologie

Ist ein Text in mehrere Sprachen zu übersetzen und wollen Sie die Koordination nicht selbst übernehmen, können Sie den Auftrag in Form eines Projektes oder eines Rahmenvertrages an ein Übersetzungsbüro vergeben. Das kann ein Unternehmen sein, das den kompletten Auftrag intern mit (vorzugsweise) angestellten und/ oder freiberuflichen Übersetzern abwickelt oder einzelne Projektteile an extern freiberuflich tätige Übersetzer vergibt. Das Büro kann ebenso ein Zusammenschluß selbständiger Übersetzer (Sozietät oder Übersetzergemeinschaft) sein oder ein selbständiger Einzelübersetzer, der mit anderen Freiberuflern zusammenarbeitet und die Projektleitung übernimmt. In jedem Fall ist es wichtig, daß der direkte Kontakt zu "Ihrem" Übersetzer gewährleistet ist und der Übersetzer alle für die sach- und fachgerechte Ausführung des Auftrags erforderlichen Voraussetzungen mitbringt. Bestehen Sie darauf, daß das Büro den Auftrag nur annimmt, wenn es Ihre Auflagen erfüllen kann.

Nach der Erledigung des Auftrages
Teilen Sie dem Übersetzer mit, ob Sie mit der Arbeit zufrieden waren. Wenn nicht, sagen Sie ihm, womit nicht, und besprechen Sie die Probleme mit ihm. Damit bauen Sie spezielle Kenntnisse bei ihm auf, die Ihnen bei einem nächsten Auftrag zugute kommen. Im Gespräch kann sich durchaus herausstellen, daß die Probleme keine waren. Der gute Übersetzer weiß, warum er so und nicht anders geschrieben hat. Sie können sehen, ob er/sie recht hatte.